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Vom Himmel, von Engeln …

… und anderen vergänglichen Konzepten

Auch für Schülerinnen und Schüler ist es anregend und sinnvoll, über eigene Konzepte nachzudenken. Frühere, die man fallen gelassen hat, und solche, die noch gültig sind. Dazu einige Ausschnitte aus Texten von Siebtklässlerinnen und Siebtklässlern, entstanden nach einem Klassengespräch über Konzepte.

Wo sind die Engel?

AliceAlice Früher stellte ich mir vor, dass es im Himmel Engel gibt, weil es in Büchern, Filmen und Liedern vorkam. Ich flog früher sehr oft mit dem Flugzeug in die Ferien, darum fing die Suche nach Engeln an: Bei jeder Wolke hatte ich die Hoffnung, einen Engel zu sehen. Mein Vater erzählte mir, dass ich stundenlang aus dem Flugzeugfenster starren konnte. Wenn ich während des Flugs einschlief, träumte ich, dass die Engel mich aus dem Flugzeug rausholen würden, dass ich mit ihnen auf den Wolken spielen und fliegen durfte. Ich glaube, dass ich etwa vier Flüge lang auf der Suche nach den herrlichen Geschöpfen war. Aber weil ich dann nie einen sah, war ich wütend auf die Engel und beschloss, dass es im Himmel keine Engel gab. Heute finde ich es jedoch schade, dass es sie nicht gibt – manchmal hoffe ich immer noch, dass sie sich nur hinter den Wolken verstecken.

Die andere Seite

AndiAndiAls ich noch klein war, dachte ich immer, wenn man auf die andere Seite der Welt reise, stehe man verkehrt. Ich dachte also, wir wären oben auf der Erde und alle anderen, die nicht da waren, würden verkehrt herum stehen. Mit 6 Jahren reiste ich mit meinen Eltern nach Neuseeland. Sie sagten mir, dass es etwa auf der anderen Seite der Erde liegt. Da freute ich mich natürlich wahnsinnig, weil ich dort verkehrt stehen würde. Als ich dann dort war, war ich sehr enttäuscht, weil ich nicht verkehrt stand, sondern ganz normal. Ich konnte es nicht begreifen, wieso ich auf der anderen Seite der Erde so stand wie auf der Seite, von der ich kam. Ich weiss jetzt, dass man auf jeder Seite der Erde gleich steht. Ich kann mir aber immer noch nicht erklären wieso.

Heute frage ich mich manchmal, was nach dem Tod kommt. Früher dachte ich immer, man wird Wiedergeboren oder wird zu einem Engel. Heute glaube ich nicht mehr an solche Dinge und habe eigentlich gar keine Vorstellung davon, was dann sein wird. Ich denke aber, dass man in gewisser Weise immer weiterlebt, solange man nicht in Vergessenheit gerät.

Ich glaube, dass man immer wieder Konzepte hat und sie sich bis ans Lebensende verändern werden.

Farben sehen

NoelieNoelie Ich habe das Gefühl, dass zum Beispiel Ajshe, die die Augenfarbe Grün-Braun hat, Farben anders sieht. Das heisst, sie sieht Braun als Weiss, doch sagt sie der Farbe Braun. Und ich, die ich die Augenfarbe Blau habe, sehe die Farbe Braun und sage ihr auch Braun.

So können wir uns verständigen, ohne dass wir die gleichen Farben sehen.

Küken

MägiMägi Ich hatte als Kind und habe noch heute Tiere sehr gerne. Ich wünschte mir immer, dass ich auf einem Bauernhof wohnen könne. Wenn ich auf einem Bauernhof war, fand ich die braunen Hühner immer sehr «härzig». Leider dachte ich als Kind immer, dass man, wenn man ein Ei isst, ein kleines Küken tötet. Nämlich, dass die Migros oder die Bauern selbst eine Spritze ins Ei spritzten mit einem Gift darin und somit das Küken im Ei ermordeten.

Einmal schaute ich mir eine Tiersendung an, aber nicht direkt über Hühner. Doch plötzlich überlegte ich mir, dass doch nicht jeden Tag so viele Küken sterben könnten. Und ich dachte nach, wie die Vermehrung der anderen Tiere funktioniert. (Klar, dass ich es dann noch nicht ganz genau wusste.) Dann schoss mir plötzlich ein Gedanke durch den Kopf, dass die Hühner einfach so, jeden Tag, Eier legen. Und dass nur Küken aus den Eiern schlüpfen, wenn ein Hahn bei einem Huhn war. Ich werde meinen Kindern früh die Geschichte über die Küken erzählen, dass sie nie so eine Vorstellung haben werden und darum nicht gerne Ei-Gerichte essen.

Himmel und Hölle

SeronoSerono Ein Konzept, das ich früher hatte, war die Vorstellung von Himmel und Hölle. Als ich etwa fünf Jahre alt war, starrte ich oft ins Feuer. Die Glut, da war ich mir sicher, musste die Hölle sein. Etwas Rotes, Heisses, das alles verschlingt. Wo ist das extremer als in einem Grill? Vom Himmel aus gesehen, den ich mir als grosse Blumenwiese mit Tieren, Bäumen und einem See vorstellte, sah die Hölle für mich aus wie ein Grill!

Heute, acht Jahre später, hat sich an meiner Vorstellung von Himmel und Hölle nicht viel verändert. Ich glaube zwar nicht mehr an die Hölle, bin aber trotzdem noch immer überzeugt von meiner Vorstellung vom Himmel. Sie gibt mir die Möglichkeit, mich für einen Verstorbenen zu freuen oder sogar keine Angst vor dem Tod zu haben.

Leben

AjsheAjshe Das Leben ist etwas Faszinierendes für mich, denn ich stelle mir manchmal vor, dass ich immer träume und gar nicht lebe. Oder wir leben nicht selbst, sondern andere leben unser Leben. Vielleicht sind wir auch nur Puppen für andere. Ich hoffe, ich werde diese Gedanken und Fragen immer in meinem Herzen behalten und nicht den Glauben daran verlieren oder sie vergessen, denn sie sind etwas Besonderes für mich.

Konzepte machen das Leben aus und die Person. Ohne sie wäre man nicht sich selbst und die Person, die man jetzt ist.

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