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«Ich wäre stolz, Präsident zu sein!»

Mitbestimmung im Alltag: Augenschein in einem Berner Schulhaus

Im Schulkreis Stapfenacker/Brünnen in Bern gibt es in jedem Schulhaus einen Schulrat, das «Forum», in dem die Schülerinnen und Schüler Einfluss auf die Gestaltung des gemeinsamen Schulalltags nehmen können. Jede Klasse wählt eine Vertretung, die an den Sitzungen des Forums teilnimmt. Im Dorfschulhaus mit seinen vier Klassen sitzen an diesem Morgen vier Mädchen, vier Jungen und eine Lehrerin um einen grossen Tisch.

Weil der bisherige Präsident die Schule verlassen hat, wurde die Einladung von Frau Eggler gemacht. Die Lehrerin der 3. Klasse begleitet und unterstützt das Forum. Sie hilft, wenn die Kinder alleine nicht mehr weiterkommen. Ihre Klasse verbringt die Lektion, in der die Forumssitzung stattfindet, mit der 4. Klasse und deren Lehrerin in der Turnhalle.

Jessica und Racine aus der 3. Klasse sind verantwortlich für das Protokoll. Heute ist Jessica mit Schreiben dran. Sie sitzt – mit Bleistift und Spitzer gut ausgerüstet – aufmerksam da, hört allen gut zu und notiert selbstständig jene Punkte, die ihr wichtig scheinen. Nur einmal hilft ihr Frau Eggler mit einem Stichwort weiter.

Zuerst berichten die Mitglieder des Forums, was in den Klassen im Hinblick auf die Forumssitzung besprochen wurde. Einige Punkte werden aufs Traktandum «Verschiedenes» verschoben, so zum Beispiel der Vorschlag aus der 4. Klasse, für kurze Zeit die Lehrerinnen unter den Klassen auszutauschen. Als sie an der Reihe sind, bringen die Erstklässler ein Thema auf, das auch auf der Einladung zur Sitzung steht und deshalb sofort besprochen wird: die Streitschlichter.

Arian und Hristo berichten: «Wir haben im Klassenrat zwei Streitschlichter für die Pause gewählt. Es sind Hamsa und Jelis.»

Dzevad aus der 3. Klasse erzählt, welche Erfahrungen er beim Streitschlichten gemacht hat: «Es ist nicht einfach, Streitschlichter zu sein. Als ich bei einem Streit eingreifen wollte, hat ein grösserer Junge einfach zu mir gesagt: ‹Hau ab! Das geht dich nichts an.› Ich wusste nicht, was ich machen sollte.» Andere Kinder bestätigen Dzevads Erfahrung. Im Forum sind sich alle einig, dass sie diesem Projekt noch mehr Zeit widmen müssen.

Das wichtigste Traktandum der heutigen Sitzung ist die Neubesetzung des Präsidiums. Ein Mädchen und ein Junge bewerben sich für das Amt. Sie sagen kurz, warum sie Präsidentin bzw. Präsident werden möchten.

Michèle: «Ich leite gerne eine Sitzung.»

Dzevad: «Meine Mutter hat gesagt, dass es in unserer Familie noch nie einen Präsidenten gab. Ich wäre stolz, Präsident zu sein.»

Frau Egglers Aufforderung, den Kandidierenden Fragen zu stellen, stösst nicht auf Zustimmung. Die Meinungen sind offenbar gemacht. Nina findet: «Wir könnten doch gleich abstimmen.» Damit sind alle einverstanden. Gewählt wird Michèle.

«Die 3. Klasse möchte wieder einmal einen Spieltag durchführen.» Racine bringt dieses Anliegen vor. Michèle antwortet: «Wir Viertklässler wollen das zum Abschluss des Schuljahres organisieren.» Frau Eggler hat aber auch schon mit dem Kollegium gesprochen: «Wir Lehrerinnen finden, dass wir im Sommerquartal einfach keine Zeit mehr für einen Spieltag haben. Deshalb möchten wir das Forum fragen, ob ihr bereit wärt, im ersten Quartal nach den Sommerferien einen Spieltag zu organisieren.» Die Mitglieder des Forums sind mit diesem Vorschlag einverstanden. Aber besonders die Viertklässler sind etwas enttäuscht. Sie wechseln im Sommer in ein anderes Schulhaus und werden den Spieltag also nicht mehr miterleben.

«Wie geht es eigentlich mit dem Sitzball-Verbot weiter?» Diese Frage stellt Nina aus der 2. Klasse. Das Verbot wurde vom Forum vor ein paar Wochen erlassen, weil es immer wieder Streit gab. Damian sagt: «Wir haben in unserer Klasse noch nicht darüber gesprochen.» In den andern Klassen wurde die Frage im Klassenrat auch noch nicht diskutiert. Nina findet: «Wir sollten das Verbot wieder abschaffen.» Frau Eggler macht einen anderen Vorschlag: «Zuerst sollen doch mal alle Klassen darüber sprechen und Vorschläge machen. An der nächsten Forumssitzung können wir dann alle anhören und entscheiden, wie es weitergehen soll.» Damit sind alle einverstanden.

Am meisten Zeit braucht das Forum heute für das Traktandum «Verschiedenes»: «Wann wird eigentlich der Rasenplatz wieder zum Spielen geöffnet?» Das will Damian im Namen der Viertklässler wissen. Die Antwort von Frau Eggler, dass der Rasen erst einigermassen trocken sein muss, leuchtet allen ein.

Nach 40 Minuten sind alle Punkte auf der Traktandenliste besprochen und die Kinder gehen zurück in ihre Klassen. In einem Monat findet die nächste Sitzung statt.

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