Atelierarbeiten weisen den Weg
Üben nun auch noch im Werkunterricht? Ist das nötig? Ist das sinnvoll? Wenn wir uns mit der Herkunft des Begriffs Üben auseinander setzen, finden wir heraus, dass das althochdeutsche «uoben» Landbau treiben hiess. Im übertragenen Sinn kann «uoben» – üben – also auch bedeuten, etwas vorbereiten, damit nachher Neues entstehen kann. Das Kind eignet sich also durch bewusstes Üben Fähigkeiten und Fertigkeiten an, auf die es später bei anderen Werkarbeiten zurückgreifen kann. Im Werkweiser 1 (Kindergarten bis 2. Klasse) sind verschiedene Ateliers aufgeführt, die gerade diesen Begriff des vorbereitenden Übens sehr gut beschreiben.
Im Werkweiser sind 17 Ateliers beschrieben, in denen unter anderem die Grundlagen für künftige Unterrichtsvorhaben (Werkarbeiten) vorbereitet werden. Das Kind wird angeregt, Verfahren zu entdecken, auszuprobieren und zu üben. In der Atelierarbeit kann das Kind repetitiv lernen und üben, das heisst: Bewährte Handhabungen werden von der Lehrperson vorgezeigt und von den Kindern nachgeahmt, geübt und weiterentwickelt. Auf Vorzeigesequenzen muss unbedingt immer wieder eine längere eigenaktive Phase der Kinder folgen, damit sie ihr Wissen üben und vertiefen können. Im Werkweiser sind die Ateliers in drei Gruppen unterteilt: Materialateliers, Basisateliers und Erfinderateliers.
Im Anschluss an eine Atelierphase kann eine grössere Werkarbeit geplant werden, wobei sich das Kind immer auf gemachte Grunderfahrungen des jeweiligen Ateliers stützen kann. Bereits während der Atelierphase entstehen Arbeiten, die die Kinder nach Hause nehmen können. Natürlich lassen sich auch Ideen aus Atelierarbeiten weiterentwickeln. Ein Beispiel aus der Praxis soll Mut zur Arbeit mit Ateliers machen:
Atelier Papier und Karton
Kaum einen Werkstoff wie Papier oder auch Karton treffen wir in so vielfältiger Weise an, sei es beim Lesen der Tageszeitung, beim Schreiben, beim Verpacken von Geschenken … Papier und Karton bieten viele grundlegende gestalterische und konstruktive Möglichkeiten an. Papier und Karton lassen sich schneiden, falten, zerknüllen, beschriften, bemalen … – alles Erfahrungen, die Kinder bereits bei Kindergarteneintritt gemacht haben. Das Atelier Papier und Karton regt die Kinder an, Neues auszuprobieren und Grundsätzliches, wie zum Beispiel das Schneiden, Falten oder Kleben, auf vielseitige Weise zu üben. Die Materialien Papier und Karton stehen den Kindern auch zu Hause zur Verfügung, so können die Kinder Anregungen und Ideen auch in ihrer Freizeit weiterverfolgen.
Papier und Karton sind preisgünstige Materialien, die es erlauben, im Unterricht eine Fertigkeit mehrere Male zu üben. Das Wiederholen einer Tätigkeit kommt dem kindlichen Lernen sehr entgegen. Kinder üben Bewegungsfolgen oder Handlungen oft bis zur Erschöpfung, und trotzdem büssen solche repetitiven Tätigkeiten ihren Reiz nicht ein. Im Gegenteil: Die Kinder haben grosse Freude – die Freude darüber, dass ihnen eine geübte Fertigkeit immer wieder neu gelingt.
Sobald das Material bereit liegt, gilt es, für die Kinder den Werkplatz zu erkunden, gemeinsame Regeln aufzustellen und dann mit der Atelierarbeit zu beginnen. Die Kinder entwickeln im Atelier Papier und Karton viele Fertigkeiten. Hier sind nur einige erwähnt: schneiden, falten, kleben, verbinden …
Aktives Begleiten der Kinder
Die Lehrperson kann während der Atelierarbeit einzelne Kinder oder Gruppen unterstützen, sei es durch aktives Zuhören, mit Tipps oder praktischen Hilfestellungen bei einer Arbeit. Nicht jedes Kind benötigt die gleiche Unterstützung. Während der Atelierarbeit kann die Lehrperson die Kinder aktiv in ihrem Lernprozess begleiten und dabei viele wertvolle Beobachtungen machen. Diese fliessen in die Beurteilung ein und leisten der Lehrperson Hilfe bei der weiteren Planung des Unterrichts.
Wertschätzung der Arbeit
Die Werke, die während der Atelierarbeit entstehen, können in einer Ausstellung gewürdigt werden. Vielleicht kann man Papierskulpturen als Raumschmuck in der Schulbibliothek aufhängen, besonders spannende Objekte können an einem Elternmorgen vorgestellt werden. Dabei kann den Eltern die Atelierarbeit näher gebracht werden. Fotos der Arbeitsprozesse während des Ateliers spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn die Kinder ihre Arbeiten nach Hause bringen, ist es wichtig, darauf zu achten, dass dies sorgfältig geschieht. So wird der gestalterischen Arbeit der Kinder Wertschätzung entgegengebracht.
Fazit
Üben, trainieren, heisst im Fachbereich Gestalten etwas ausprobieren, sich einstimmen auf ein Material oder eine Technik und dabei durch Wiederholung an Sicherheit gewinnen. Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist dabei das Üben von Fertigkeiten und Fähigkeiten. Atelierarbeiten unterstützen die Kinder dabei, diesen «Schlüssel» zu finden. Die Kinder erweitern ihr Wissen in Bezug auf das Material und ihre technischen Fähigkeiten. Viele grundlegende Fertigkeiten und Fähigkeiten, die im Lehrplan Unterstufe technisches / textiles Gestalten gefordert sind, können in der Atelierarbeit entdeckt und geübt werden. Die Lehrperson kann dabei kreative Prozesse unterstützen und begleiten.
Christine Leichtnam
| Anhang | Größe |
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| Werkweiser S. 18 | 265.45 KB |
| Werkweiser S. 26 | 221.29 KB |
| Werkweiser S. 37 | 243.43 KB |



