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Wenn Rechte miteinander streiten

Ethisches und soziales Lernen üben: Geht das überhaupt? Die Antwort ist ganz klar ja! Denn in diesem Bereich bedeutet Üben vor allem die Arbeit an Fähigkeiten und Fertigkeiten in Bezug auf die Sozialkompetenz. Im ethisch-sozialen Lernen gibt es, wie in anderen Bereichen auch, so genannte Schlüsselqualifikationen. Eine davon ist die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, also die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. Sie zu erwerben, erfordert viel Zeit und vor allem viele Übungsmöglichkeiten in verschiedensten Situationen. Das folgende Beispiel aus dem Kapitel «Kinder haben Rechte» («Kaleidoskop », ab 5. Schuljahr, schulverlag blmv 2005) zeigt eine von vielen Möglichkeiten auf, wie die Fähigkeit des Perspektivenwechsels geübt werden kann.

Dass Kinder ihre Rechte kennen müssen, ist allgemein anerkannt. Die Menschenrechte haben aber nur dann wirklich Geltung, wenn alle Menschen bereit sind, sie nicht nur für sich zu beanspruchen, sondern auch anderen zuzugestehen. Das ist jedoch oft mit Aufwand und manchmal auch mit Unannehmlichkeiten verbunden. Wer sich aber in die Mitmenschen einfühlen kann, ist eher bereit, in gewissen Situationen auf andere Rücksicht zu nehmen und nach Lösungen zu suchen, die für alle Beteiligten in Ordnung sind. Genau darauf zielt die folgende Übungsanlage ab. Im Themenheft wird den Schülerinnen und Schülern bewusst gemacht, worum es beim Perspektivenwechsel genau geht.

Den Schülerinnen und Schülern wird ein Beispiel vorgelegt, das sie so oder ähnlich selber schon erlebt haben. Sie werden sich also wohl in beide Brüder hineinversetzen können: Welche Anliegen und Bedürfnisse hat der lernende Bruder, welche der Musik hörende? Ist diese Analyse gemacht, wird es möglich, nach Lösungen zu suchen, die für beide Brüder befriedigend sind. Die Anregungen im grünen Kästchen machen zusätzliche Angaben darüber, worauf die Schülerinnen und Schüler bei den Lösungsvorschlägen achten müssen. Jetzt sind die Voraussetzungen für das eigentliche Üben geschaffen:

Mit Hilfe der Klassenmaterialien findet nun eine vertiefende Übung des Perspektivenwechsels im Allgemeinen und der «Win-win»-Lösung im Besonderen statt: Das Rollenspiel ermöglicht den Schülerinnen und Schülern eine direkte Auseinandersetzung mit einer Situation. Durch die anschliessende Diskussion in der Klasse wird das eigene «Lösungsrepertoire» erweitert. Voraussetzung für das Üben ethisch-sozialer Fähigkeiten ist ein Prozess der Bewusstwerdung und der Reflexion. Damit wird eine Basis geschaffen, auf der die erworbenen Fähigkeiten in neuen, vielfältigen Situationen angewendet werden können.

Susanne Gattiker

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