Und von dir aus gesehen?

Und von dir aus gesehen?

Je nach Standpunkt präsentiert sich das Panorama anders. Wie Raum und Zeit wahrgenommen werden, hängt ab von der Perspektive. Unter diesem Aspekt betrachtet, bieten die Materialien «Panorama» (ab 2. Schuljahr) und «RaumZeit» (ab 3. Schuljahr) eine grosse Vielfalt an Zugängen und Übungsmöglichkeiten. Schülerinnen und Schüler erhalten so die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten in Bezug auf Perspektivenwechsel kontinuierlich aufzubauen.

Lukas: «Ich sehe Vanessa. Links von ihr ist die Strasse. Ich sehe den Veloständer. Weit hinten ist ein Wald.»Lukas: «Ich sehe Vanessa. Links von ihr ist die Strasse. Ich sehe den Veloständer. Weit hinten ist ein Wald.»Vanessa: «Ich sehe Lukas. Ich sehe Strassenlampen. Hinter Lukas ist die Hauptstrasse. Neben Lukas steht ein Baum. Hinter der Hauptstrasse steht ein Mehrfamilienhaus.»Vanessa: «Ich sehe Lukas. Ich sehe Strassenlampen. Hinter Lukas ist die Hauptstrasse. Neben Lukas steht ein Baum. Hinter der Hauptstrasse steht ein Mehrfamilienhaus.»Angeregt durch die Bilder eines Pausenplatzes, aufgenommen aus verschiedenen Richtungen, zeichnen Schülerinnen und Schüler Beobachtungen auf, die sie auf dem eigenen Pausenplatz gemacht haben. Dabei nehmen die Kinder aktiv eine andere Perspektive ein. Liegen die Zeichnungen vor, wird an den Grundlagen gearbeitet für einen Perspektivenwechsel, der nur in der Vorstellung stattfindet: Die Kinder versuchen anhand der Skizzen, den Standort der Zeichnerin/des Zeichners herauszufinden.

Aufgenommen werden diese Erfahrungen im Legomodell. Die Kinder versetzen sich in die Position der Figuren und beschreiben, was diese von ihrem Standort aus sehen können.

In der Folge «fliegen» die Kinder auf dem Besen über ihren Pausenplatz und zeichnen auf, was sie aus dieser Perspektive sehen können.

Durch das Betrachten und Beschreiben von Räumen und deren «Möblierung» aus unterschiedlichen Perspektiven und Distanzen bauen Schülerinnen und Schüler Raumbewusstsein auf. Das heisst, sie nehmen die Räume bewusst wahr, lernen, sich in Räumen zu orientieren, und üben das Einschätzen von räumlichen Proportionen. Mit Hilfe des Lehrmittels «Panorama» können Schülerinnen und Schüler diese Fähigkeiten bei der Arbeit mit Bodenlegekarten, mit Sandkastenmodellen und Plänen anwenden und üben.

«RaumZeit» führt diese Arbeit weiter, indem die Kinder dazu angeleitet werden, verschiedene Darstellungen zu einem Gebiet der Erde zu vergleichen. In «RaumZeit» werden Kinder von Anfang an damit konfrontiert, dass Darstellungsformen der Erde, wie Globus und Weltkarte, Modelle und Konstruktionen sind, die je nach Perspektive sehr unterschiedliche Bilder ergeben können (z.B. wo ist unten und wo ist oben auf dem Globus; eurozentrierte Weltkarte – pazifikzentrierte Weltkarte; Nord- und Südorientierung; unterschiedliches Aussehen von Kontinenten je nach gewählter Darstellungsart). Dadurch werden die eigenen Wahrnehmungen und Vorstellungen relativiert, die mehrperspektivische Sichtweise und die Orientierungsfähigkeit werden gefördert.

Zeitliche Perspektivenwechsel üben Schülerinnen und Schüler im Lehrmittel «Panorama» beispielsweise, indem sie im Kapitel «Heute–früher» einen Bericht über eine Turnstunde vor 60 Jahren lesen oder hören.

In einer nachgespielten Turnlektion versetzen sich die Kinder in die Situation des Erzählers und setzen das Gehörte direkt um: Konkret handelnd empfinden sie nach, wie Kinder vor 60 Jahren eine Turnstunde erlebt haben. Im gleichen Kapitel wird eine ganze Reihe ähnlicher Perspektivenwechsel initiiert.

Während Schülerinnen und Schüler mit «Panorama» in die Zeit der Kindheit ihrer Grosseltern zurückreisen, haben sie im Lehrmittel «Raum- Zeit» die Möglichkeit, mit Hilfe von Geschichten und Bildern in verschiedene Epochen zu «reisen». Die längste Zeitreise geht ca. 15000 Jahre in der Geschichte zurück (Kapitel «In früheren Zeiten», KM 34–39). Mit der Unterstützung der Bilder zur Landschaft und zu den Lebenssituationen der jeweiligen Zeit aus dem Legeset können Vorstellungen darüber entstehen, wie die Umgebung, die Menschen und Tiere, die Geräte, Kleider und Werkzeuge ausgesehen haben. Erfinden die Kinder anschliessend selber Geschichten zu dieser Zeit, müssen sie sich in die Situation der handelnden Personen eindenken und einfühlen. Ein ähnlicher Perspektivenwechsel ergibt sich auch, wenn die Kinder sich beim Vorbereiten eines Rollenspiels in die damalige Zeit zurückversetzen.

Der historische Perspektivenwechsel ist sehr anspruchsvoll. Die Kombination von Bild, Ton und Text erleichtert es den Kindern jedoch, Situationen aus früheren Zeiten besser einzuschätzen und historische Gegebenheiten nicht nur aus heutiger, sondern auch aus damaliger Sicht zu betrachten und zu beurteilen.

Hans-Peter Wyssen

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Panorama: Kapitel «Raum» (KM 19, 21 und 22)475.28 KB
Panorama: Kapitel «Heute – Früher» (KM 19)44.48 KB
RaumZeit: Kapitel «In früheren Zeiten» (KM 30)571.95 KB