Es gibt viel zu tun, packen wirs an
Selbstmanagement für Familien
Die fortschreitende Individualisierung unserer Gesellschaft wirkt sich auf Eltern und Kinder aus: Auch ihnen wird Flexibilität und Dynamik abverlangt. Was können Eltern tun – und was eigentlich brauchen kleine Kinder von ihren Eltern? «Fit für die Schule» liefert Antworten und wertvolle Hinweise.
«Wenn du eilig bist, setze dich.»
Chinesisches Sprichwort
Der Aufbau einer positiven Eltern-Kind-Beziehung benötigt Zeit und Präsenz. Gefühle müssen dann beantwortet und benannt werden, wenn sie erlebt werden. Die meisten Eltern spüren und tun das. Eltern müssen in die Erziehung investieren, lange bevor ihre Kinder zwölf Jahre alt sind. Ein nicht vorhandenes Vertrauensverhältnis kann nicht einfach herbeigezaubert werden, wenn es in Zeiten des pubertären Wellenganges hoch zu und her geht.
Jede Familie hat ihr Potential und ihren Stil punkto Umgang der Familienmitglieder untereinander. Das Unverwechselbare liegt in den Mustern, wie Erlebtes und Gefühltes zur Sprache gebracht oder verschwiegen wird, worüber man lacht, welche Rolle Körperkontakte und Zärtlichkeiten spielen und wie Eltern ihre Kinder unterstützen, etwas zu lernen und zu erreichen. Im Familienalltag sind viele Aufgaben zu bewältigen. Um nicht im Gestrüpp der Anforderungen unterzugehen, bedarf es zuweilen der Reflexion und Planung. Gute Eltern sind auch Denker und Macher. Zum einen ist im Zusammenleben mit Kindern nicht alles planbar. Zum andern ist es eine kostbare Zeit, wenn die Kinder noch klein und auf die Eltern angewiesen sind.
«Ohne Tat bleibt der schönste Gedanke blass.» Mahatma Gandhi
Im motivations-psychologischen Modell der Handlungsphasen unterscheidet Heckhausen die vier Phasen des Abwägens, des Planens, des Handelns und des Bewertens.
Abwägephase
In der ersten Abwägephase wählt eine Person oder eine Familie aus den vielen Vorstellungen und Wünschen jene aus, die sie realisieren möchte. «Was wollen wir ändern, was nehmen wir uns zuerst vor? Wenn es abends nur nicht immer so lange dauern würde, bis Anna endlich ins Bett geht. Oder zehrt die Situation mit Patric beim Essen doch noch mehr an den Nerven?» In der Reflexion werden die Möglichkeiten abgewogen und die Beweggründe gewichtet. Weil Zeit und andere Ressourcen begrenzt sind, muss eine Entscheidung fallen.
Planungsphase
Darauf folgt die Planungsphase. «Wie wollen wir das gesetzte Ziel konkret zusammen umsetzen? Wie gehen wir vor, wer macht was? Wo sind wir konsequenter, was lassen wir Anna nicht mehr durchgehen?» Mit der Zielsetzung geben die Eltern ihrem Denken, Beobachten und Tun eine Richtung.
Fit für die Schule: - Was kleine Kinder von ihren Eltern brauchen
Kinder brauchen …
Geborgenheit, eine sichere Bindung und verlässliche, liebevolle Beziehungen in ihrer Familie;
Erfahrungen, ein anregendes Umfeld und alltägliche Aufgaben, an denen sie sich von klein auf beteiligen und bewähren können;
Beziehungen, ein soziales Umfeld mit anderen Kindern und Erwachsenen, in dem sie selbstbewusst und rücksichtsvoll werden können.
Handlungsphase
In der Handlungsphase hat die Person bereits erste reale Schritte auf das Ziel hin unternommen. Stösst sie auf Schwierigkeiten oder erntet Misserfolge, hilft die innere Motivation, die Anstrengungen zur Erreichung des Ziels zu erhöhen. Es stellen sich erste Erfolge ein, und das Familienleben beruhigt sich schon etwas.
Bewertungsphase
Ist das Ziel erreicht, beginnt die Bewertungsphase. «War das Vorhaben ein Erfolg? Wenn nicht, woran lag es? War es Patric klar, welches Verhalten wir nicht mehr dulden möchten? Wollten wir zu viel auf einmal? Warum habe ich auf halber Strecke aufgegeben? War das Ziel zu hoch gesteckt, die Aufgabe zu schwierig?»
Eine Familie braucht den offenen Austausch mit anderen Eltern oder konkrete Mithilfe, um wieder den Mut zu Veränderung und Selbststeuerung zu bekommen.
Die kantonale Erziehungsberatung zeigt in einer Broschüre für Eltern von jüngeren Kindern auf, was nötig ist, um die Grundlagen für das Lernen zu schaffen. Unter dem Motto «Fit für die Schule» ist ein achtseitiger Faltprospekt entstanden, der Eltern und Erziehungspersonen über entwicklungspsychologische Zusammenhänge informiert. Sie erhalten Anregungen, die eigene Haltung zu überdenken, sich im Gespräch auszutauschen und werden dazu angeregt, Möglichkeiten auszuprobieren. Dieses Informationsmaterial soll auch ein Beitrag zur aktuellen öffentlichen Debatte über Erziehung sein.
Dr. phil. Doris Houbé-Müller
Stellenleiterin, Kantonale Erziehungsberatung Thun
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