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Die ersten Erfahrungen in der Schule

Schwimmbad und Rutschbahn im Schulzimmer

Schuleintritt und die erste Zeit danach können für Kinder angstbesetzt sein. Was kann eine Lehrperson tun, damit die 1.-Klässlerinnen und 1.-Klässler Vertrauen in sich und in die neue Situation fassen? Ein Unterrichtsbericht.

Im NMM-Lehrmittel «Konfetti» im Kapitel «In der Schule» gibt es eine Reihe von Materialien mit Aufträgen und Vorschlägen dazu, wie Kinder ihr Wohlbefinden in der Klasse bewusst wahrnehmen, beschreiben und überdenken können. Mit dem Ziel, Vertrauen zu stärken und allfällige Schulängste abzubauen, führe ich einige der vorgeschlagenen Aufträge mit meinen 1.-Klässlerinnen und 1.-Klässlern durch.

Als Erstes lernen die Kinder das Lied singen: «Mir sind e Klass.» Darauf machen sich die 20 Schülerinnen und Schüler Gedanken zu den Fragen: Wann ist es schön in der Schule, wann fühle ich mich wohl? Wann ist es schwierig bei uns in der Schule, wann fühle ich mich nicht wohl? Die Antworten schreiben die Kinder auf gelbe und grüne Zettel.

Bewusst wahrnehmen: Die Schülerinnen und Schüler überlegen sich, wann sie sich wohl in der Schule fühlen und wann weniger und halten diese Gedanken auf gelben und grünen Zetteln fest.

Wann fühle ich mich wohl in der Schule:

  • Wenn ich mit Freundinnen spiele
  • Beim Turnen
  • In der grossen Pause
  • Wenn ich keinen Streit habe
  • Wenn ich rechne
  • Wenn wir ins Schwimmbad gehen
  • Wenn ich freiwillig lesen kann
  • Wenn die Praktikantinnen hier sind
  • Wenn wir basteln

Wann fühle ich mich nicht wohl in der Schule:

  • Wenn ich Streit habe
  • Wenn wir zu zweit arbeiten
  • Wenn es laut ist beim Arbeiten
  • Wenn mich jemand schlägt
  • Wenn ich schlecht bin
  • Im Turnen
  • Wenn mir jemand blöde Wörter sagt

Im Kreis besprechen wir die Antworten. Jedes Kind darf seine Zettel vorlesen. Die Antworten auf die Frage nach den Schwierigkeiten besprechen wir ausführlicher, die Kinder erzählen Beispiele und überlegen, wie die Schwierigkeiten angegangen werden können. Einige der Punkte nehmen wir, aus zeitlichen Gründen, im Klassenrat wieder auf. Dort schildern die betroffenen Schülerinnen und Schüler die Situationen nochmals. Mit Rollenspielen und Gesprächen versuchen die Kinder, Lösungsvorschläge zu finden. Diese besprechen wir wiederum und formulieren Ziele dazu.

Dass die Atmosphäre im Schulzimmer einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler hat, ist erwiesen. Zurzeit bestimmen meine Stellenpartnerin und ich grundsätzlich die Einrichtung des Schulzimmers. Wichtig ist uns vor allem, dass Zeichnungen und Bastelarbeiten der Schülerinnen und Schüler das Zimmer schmücken. Im Glasschaukasten im Schulzimmer hat jeweils die «Schülerin der Woche» oder der «Schüler der Woche» die Gelegenheit, sich zu präsentieren.

Anfang Woche stellt sich ein Kind, das vorgängig durch ein Los gezogen wurde, vor. Es bringt verschiedene Lieblingsgegenstände von zu Hause mit. Zum Beispiel das Lieblingskuscheltier, das Lieblingsbuch, die Lieblingsfarbe, das liebste Spiel, Fotos von der Familie und und und. Das Kind erzählt zu jedem Gegenstand etwas Spezielles und legt dann die Sachen in den Schaukasten, wo sie eine Woche lang bleiben. Oft schauen die Kinder im Verlauf der Woche in den Schaukasten, reden darüber und stellen Fragen an die Ausstellerin oder den Aussteller.

In einer nächsten Lektion gebe ich den Kindern der Klasse den Auftrag, ihr Traumschulzimmer auf Papier zu zeichnen. Hier steht jedoch nicht die spätere Umsetzung der Wunschvorstellung im Vordergrund. Dennoch könnten mir Gespräche über die Bilder vielleicht wichtige Hinweise über die Bedürfnisse der Kinder bezüglich Einrichtung des Schulzimmers geben.

Besonderheiten der Traumschulzimmer:

  • Schwimmbad mit Rutschbahn
  • Achterbahn
  • Tiere im Schulzimmer
  • Discokugel
  • Fernseher
  • Sofa
  • Trampolin
  • Ballone
  • Tisch gedeckt mit Esswaren und
  • Getränken
  • Rakete zum Nach-Hause-Fliegen
  • Aquarium mit verschiedenen Fischen

Ich bin erstaunt über die vielfältigen und phantasievollen Wunschvorstellungen der Schülerinnen und Schüler. Besonders das Schwimmbad mit der Rutschbahn macht mir Eindruck. Alle dürfen ihre Zeichnung vorstellen. Die Kinder wissen ziemlich genau, was Traum bleiben wird und was vielleicht im reellen Schulzimmer umzusetzen ist. Als erstes Projekt starten wir den Versuch mit einem kleinen Trampolin im Schulzimmer. Dieses dürfen die Kinder in den kleinen Pausen benutzen und ich werde es auch bewusst in den Unterricht einbauen. Zu einem späteren Zeitpunkt denken wir dann über Tiere im Schulzimmer nach. Die Zeichnungen der Traumschulzimmer hänge ich an die Wand.

Dann hören wir die Geschichte «Sofie ist ängstlich» (KM5)1: Sofie kommt zu spät in die Schule. Nun traut sie sich nicht, ins Schulzimmer einzutreten. Sie wartet vor der Tür. Da kommt Katja aus dem Schulzimmer. Sie muss zur Toilette. Katja sagt zu Sofie: «Wenn ich zurück bin, gehen wir zusammen rein.»

Danach äussern sich die Kinder zu den Fragen: Was denkt Sofie, als sie vor der Türe wartet? Was denkt Sofie über Katjas Vorschlag? Bist du manchmal ängstlich in der Schule? Wem erzählst du, dass du ängstlich bist?

Im Anschluss überlegen sich die 1.-Klässlerinnen und 1.-Klässler in Zweiergruppen, was gut tut und was weh tut im Umgang mit anderen Menschen (KM 6). Sie schreiben ihre Erkenntnisse auf ein Arbeitsblatt.

Das tut gut:

  • Freunde haben
  • helfen
  • miteinander spielen
  • nett sein
  • teilen
  • basteln
  • trösten
  • neue Freunde finden
  • Hallo sagen

Das tut weh:

  • schlagen
  • umfallen
  • klauen
  • schimpfen
  • auslachen
  • Fehler machen
  • streiten
  • wenn jemand böse ist
  • wenn man keine Freunde hat

Die Resultate besprechen wir in der Klasse.

In einer nächsten Sequenz soll den Kindern bewusst werden, dass sie nicht nur von Erwachsenen im Allgemeinen und der Lehrperson im Besonderen etwas lernen können, sondern auch von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern (KM 11). Positiver Nebeneffekt von «voneinander Lernen» ist, dass sich die Kinder besser kennenlernen und die schulisch Schwächeren eine Chance haben.

Die Schülerinnen und Schüler überlegen sich, was sie besonders gut können, was andere Kinder von ihnen lernen können. Freiwillig tragen sie ihren Namen und ihr Lernangebot in eine Tabelle ein. Danach können sich die Kinder einschreiben, die etwas davon lernen möchten.

In nächster Zeit werden Fadenspiele, Diddel-Zeichnen, ein Klatschspiel, ein Tanz, der Handstand im Wasser, philippinische Wörter, ein Zaubertrick gelernt … Ich bin gespannt.

Vertrauen aufbauen, sich an eine neue Umgebung gewöhnen, neue Kinder, neue Lehrpersonen, neue Regeln, neue Abläufe kennenlernen. Das ist ein anspruchsvoller Prozess. Wenn sich die Kinder beim Schuleintritt möglichst rasch wohl fühlen und der Gruppe vertrauen, können sie ihre Handlungsfähigkeiten im sozialen Bereich weiterentwickeln und erweitern. Dies hilft, Ängste abzubauen und Vertrauen aufzubauen.


Footnotes:

1. Abkürzung KM und Ziffer: Das entsprechende Dokument findet sich im Ordner Klassenmaterial zum Lehrmittel «Konfetti».

Rahel Campagnola-Knellwolf
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